Archäologische Blicke unter die Freie Strasse

Blick vom Barfüsserplatz in die ehemalige Spitalgasse auf die hintere Seite des «Spitals an den Schwellen». Ansicht nach Constantin Guise, ca. 1840. Bild: StABS AL 45, 9-23-3.

Warum graben wir?

In den Jahren 2020 bis 2023 werden in der Freien Strasse und deren Seitengassen verschiedene Werkleitungen für Trink- und Abwasser, Elektrizität sowie Telekom saniert und auch ein neues Trassee für die Fernheizung gebaut. Die umfangreichen Werkleitungsbauten finden in einer archäologisch sensiblen und bisher weitgehend unerforschten Zone statt. Insbesondere die neuen Abschnitte der Fernwärme und Teile der Kanalisation werden tief in bisher unberührte Bereiche verlegt.

Was graben wir aus?

Von alten Plänen wissen wir, dass die Freie Strasse und ihre Seitengassen vor 1900 viel enger waren als heute. In der heutigen Strasse sind daher Mauern der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bebauung zu erwarten. Zu erwähnen ist insbesondere das sogenannte «Spital an den Schwellen» zwischen Streitgasse und Barfüssergasse, das urkundlich seit den 1260er Jahren belegt ist und 1843/44 abgerissen wurde. Das Spital war für Bedürftige aller Art und mittellose Kranke gedacht.

Im vorderen, an der Freien Strasse liegenden Teil des Spitals befanden sich eine Heilanstalt, das Pfrundhaus («Altenheim»), Zimmer für die Verwaltung sowie eine Gebärabteilung und ein Betsaal. In der Zeit nach der Reformation diente der Kreuzgarten des nahen Barfüsserklosters als Spitalfriedhof. Mit dem Bau des Bürgerspitals 1842 an der Hebelstrasse (beim heutigen Universitätsspital) konnte das den modernen Bedürfnissen des Gesundheitswesens längst nicht mehr entsprechende Spital hinter der Barfüsserkirche ersetzt werden.

Frühere Ausgrabungen in der Umgebung haben zudem gezeigt, dass in der Freien Strasse auch mit älteren Befunden wie etwa einer römerzeitlichen Strasse gerechnet werden muss.

Erste Resultate der Ausgrabung

Erwartungsgemäss stiess man in der ersten Bauetappe (August bis November 2020) immer wieder auf Keller- und Gebäudemauern aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit. Vom «Spital an den Schwellen» wurden sowohl in der Freien Strasse als auch in der Barfüssergasse Mauern sowie ein Stück Tonplattenboden freigelegt. Diese archäologischen Befunde lassen sich gut mit dem aus dem Merianplan bekannten Grundrissen in Übereinstimmung bringen. Eher überraschend waren zwei Bestattungen, bei denen es sich vermutlich um verstorbene Insassen des Spitals handelt.

An einzelnen Stellen wurden auch Schichten mit römischer Keramik angetroffen, darunter eine kompakte Kiesschicht, bei der es sich um Reste der römischen Strasse handeln könnte.

Wie lange graben wir?

Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis 2023 und finden in mehreren Etappen statt. Die nächste Etappe beginnt im Januar 2021, bei der wir im Bereich der Barfüssergasse, Streitgasse, Kaufhausgasse und Freien Strasse die Bauarbeiten begleiten werden.

Literatur

Archäologische Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt (Hg.):
1000 Jahre Basler Geschichte. Archäologie unter dem Musiksaal des Stadtcasino Basel, Basel 2020.

Zoom

Ansicht des «Spital an den Schwellen». Merianplan von 1615.

Zoom

Die Überreste eines Tonplattenbodens vom «Spital an den Schwellen».

Zoom

Die Überreste der Mauer und des Tonplattenbodens gehören vermutlich zum «Spital an den Schwellen».

Zoom

Eines der neu entdeckten Skelette. Das aufgedeckte Skelett, dessen unterer Teil durch einen modernen Graben bereits zerstört worden ist, gehört vermutlich zu einem Insassen des «Spitals an den Schwellen».