Parking Kunstmuseum - Rettungsgrabungen am St. Alban-Graben

St. Alban-Graben, November 2019

Die Archäologische Bodenforschung begleitet die Bauarbeiten zum neuen Parking beim Kunstmuseum Basel und ist seit Oktober 2018 etappenweise immer wieder vor Ort. Neben römischen Siedlungsresten kamen bisher der mittelalterliche Stadtgraben sowie mehrere jüdische Grabsteine zum Vorschein.

Warum graben wir?

Am St. Alban-Graben wird ein unterirdisches Parking gebaut. Dies führt zu tiefen Bodeneingriffen sowohl im Bereich des ehemaligen Stadtgrabens, als auch in einem direkt danebengelegenen Areal, das von der Römerzeit bis heute besiedelt war. Die Archäologische Bodenforschung begleitet die Bauarbeiten und sichert und dokumentiert die archäologischen Funde.

Was erwarten wir?

Am St. Alban-Graben befand sich, wie der Strassenname noch bezeugt, einst ein Stadtgraben. Dieser gehörte zur Inneren Stadtmauer, die im 13. Jahrhundert errichtet wurde. Reste dieser Stadtmauer befinden sich auf der Seite des Antikenmuseums unter den Fassaden und dem Trottoir und werden während des Bauprojekts stellenweise freigelegt.

Die Böschung des Stadtgrabens wurde auf der Feldseite durch eine sogenannte Kontermauer gestützt. Diese Kontermauer befindet sich im Bereich zwischen den Tramgeleisen und dem Trottoir auf der Seite des Kunstmuseums und liegt innerhalb der Baugrube. Es ist daher zu erwarten, dass sowohl die Kontermauer wie auch zwei kleine Aquäduktbrücken, die den Stadtgraben überquerten und zur städtischen Wasserversorgung des Spätmittelalters gehörten, in den verschiedenen Etappen des Bauprojekts mehrmals aufgedeckt werden.

Durch den Bau des Stadtgrabens wurden die älteren archäologischen Schichten an dieser Stelle schon im Mittelalter komplett zerstört, ausserhalb des Grabens ist jedoch mit Funden aus römischer Zeit zu rechnen. Vom 1. bis 3. Jahrhundert befand sich hier ein kleiner Ort (vicus), der an der Fernstrasse lag, die von Augusta Raurica nach Norden führte, und damit vom Durchgangsverkehr profitierte.

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Frühneuzeitliche grün glasierte Ofenkachel mit Darstellung einer weiblichen Figur aus der Auffüllung des Stadtgrabens. Der dazugehörige Ofen war mit einer mythologischen Szene verziert. Erhalten ist nur noch der Torso einer nackten weiblichen Figur, die Wasser ausgiesst.

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Am St. Alban-Graben befand sich, wie der Strassenname noch bezeugt, einst ein Stadtgraben. Dieser gehörte zur Inneren Stadtmauer, die im 13. Jahrhundert errichtet wurde. Reste dieser Stadtmauer befinden sich auf der Seite des Antikenmuseums unter den Fassaden und dem Trottoir und werden während des Bauprojekts stellenweise freigelegt.

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Blick von der St. Albanvorstadt her auf die Aussenseite des St. Alban-Schwibbogens. Dieses Tor gehörte zur Inneren Stadtmauer, die bei den laufenden Ausgrabungen zum Vorschein kommt.
R. Kaufmann, Basel, Das Stadtbild nach den ältesten Photographien seit 1860 (Basel 1936) 29.

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Auf dem Merianplan von 1615 sind die auf der Grabung dokumentierten Aquäduktbrücken sichtbar. Sie führten das Brauchwasser über den Stadtgraben und zu den Brunnen auf dem Münsterhügel.

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Blick auf den unteren Teil der freigelegten Aquäduktbrücke.

Was wurde bisher gefunden?

Bei den Bauarbeiten für das neue Parking kamen bisher bereits Funde aus verschiedenen Epochen zum Vorschein:

Die Archäologen konnten in einer Blitzaktion von wenigen Tagen Siedlungsreste aus der frühen römischen Kaiserzeit (ab ca. 30/20 v. Chr.) bergen. Der Fundort – für die damalige Zeit weit ausserhalb des befestigen Münsterhügels (Murus Gallicus) gelegen – ist für diese Epoche unerwartet. Aus der römischen Zeit wurden u. a. eine Säuglingsbestattung, eine bronzene Haarnadel, Keramik und über 60 spätantike Münzen gefunden.

Auch die Auffüllung des Stadtgrabens aus den Jahren 1786 bis1815 erbrachte zahlreiche Funde: Damals liess die Stadt Schutt und Abfall in den Graben schütten, um das militärisch längst überflüssige Hindernis zu einem bis heute stark befahrenen Verkehrsweg auszubauen.

Bereits in den 1980er Jahren kamen bei Bauarbeiten in einem Sickerschacht des 19. Jahrhunderts vier jüdische Grabsteine zum Vorschein. Bei den aktuellen Bauarbeiten wurden ebenfalls weitere Grabsteine gefunden, die in einem neuzeitlichen Sickerschacht verbaut waren. Die Inschrift in hebräischen Buchstaben ist auf den Grabsteinen nur noch schwach erkennbar.

Jüdische Grabsteine aus dem mittelalterlichen Basel

Die Grabsteine gehören in den Kontext der ersten jüdischen Gemeinde. Spätestens um 1200 kamen damals die ersten Juden nach Basel. Sie bildeten eine Gemeinde, besassen Häuser und eine Synagoge, ein Ghetto gab es jedoch nicht. Als die Pest in Europa wütete, wurde ihnen auch hier in Basel vorgeworfen, sie hätten die Brunnen vergiftet und so die Seuche ausgelöst. In der Folge wurde die Basler Judengemeinde um den Jahreswechsel 1348/49 – wie in vielen andern europäischen Städten auch – ermordet und vertrieben.

Die Wut des Pöbels richtete sich auch gegen den jüdischen Friedhof, der damals am Petersplatz lag, dort wo heute das Kollegiengebäude der Universität steht. Die Grabsteine wurden teilweise zerschlagen und später als Abdeckplatten für die Kontermauer der Inneren Stadtmauer verwendet, die man gut hundert Jahre nach ihrem Bau offenbar ausbessern musste. Zeitgenössische Reisende und Historiker erwähnen in ihren Berichten, dass die Steine mit den auffallenden hebräischen Schriftzeichen auf der Brüstung der Kontermauer, mit Eisenklammern aneinander fixiert, zu Hunderten sichtbar waren, allein am St. Alban-Graben sollen es im Jahr 1658 75 Grabsteine gewesen sein.

Nachdem man den Stadtgraben im frühen 19. Jahrhundert zugeschüttet hatte, wurden die noch brauchbaren Grabsteine – wie im ausgegrabenen Sickerschacht – andernorts verbaut. Heute erinnert ein Grabstein, der in der Archäologischen Informationsstelle im Gast- und Kulturhaus Teufelhof ausgestellt ist, an den ehemaligen jüdischen Friedhof, die jüdische Gemeinde im mittelalterlichen Basel und die Geschichte der Stadtbefestigungen.

Wie lange graben wir?

Die Bauarbeiten für das Parking dauern voraussichtlich bis Ende 2021. Die Archäologische Bodenforschung ist etappenweise vor Ort.

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Der verstorbene Säugling wurde in römischer Zeit in einem runden Dachziegel begraben.

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Der mittelalterliche Grabstein ist fragmentiert und trägt eine Inschrift in hebräischen Buchstaben: „Seine Seele ruhe im Paradies mit all den anderen der Gerechten der Welt. Amen! Amen! Amen!“ Er war in einem neuzeitlichen Sickerschacht verbaut.

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In der Archäologischen Informationsstelle im Gast- und Kulturhaus Teufelhof sind Informationen zur Inneren Stadtmauer (links im Bild) und zu einem ausgestellten jüdischen Grabstein (rechts im Bild) erhältlich.