Riehen, 1300 v. Chr. - Ein Dorf aus der Bronzezeit

Riehen-Inzlingerstrasse 51-53, Mai 2020

Die Archäologische Bodenforschung führt seit April 2020 eine Rettungsgrabung an der Inzlingerstrasse durch.

Warum graben wir?

Im Jahr 2018 stiess die Archäologische Bodenforschung auf der Nachbarsparzelle (Haselrain 20–24) unerwartet auf die Reste einer bisher unbekannten Siedlung aus der Bronzezeit (ca. 1300 v. Chr.). Da das 10‘000 m2 grosse Areal der ehemaligen Gehörlosen- und Sprachheilschule in Kürze neu überbaut wird, führt die Archäologische Bodenforschung vorgängig eine Rettungsgrabung durch.

Was erwarten wir?

Wegen der Nähe zur bronzezeitlichen Siedlung auf der Nachbarsparzelle wurden bereits im Mai 2019 auf dem ehemaligen Schulareal archäologische Sondierungen durchgeführt. Dabei kamen in drei Sondierschnitten Scherben bronzezeitlicher Keramik zum Vorschein. Dies bedeutet, dass auch in der aktuellen Ausgrabungsfläche Reste der bronzezeitlichen Siedlung zu erwarten sind. Die Untersuchungen bieten deshalb die Chance, mehr über das Leben der Menschen zu erfahren, die sich hier vor 3300 Jahren niederliessen. Die Fundstelle ist von nationaler Bedeutung, da schweizweit nur wenige Fundorte aus dem Übergang der Mittelbronze- zur Spätbronzezeit bekannt sind.

Der Platz für die Siedlung war bewusst gewählt: Auf der Niederterrasse über der Wiese waren die Bewohnerinnen und Bewohner vor dem Hochwasser der Wiese geschützt; gleichzeitig war der Fluss aber auch als Transportweg zugänglich. Zwei Bäche, die von den Hängen im Osten kamen und heute nicht mehr sichtbar sind, brachten genügend Wasser zur Siedlung. Ausserdem gab es auf den Höhenzügen in unmittelbarer Nähe (etwa der Bischoffhöhe) fruchtbare Lössvorkommen, die sich hervorragend für den Ackerbau eignen. (Löss ist ein während der Eiszeit abgelagertes, feinkörniges und sehr fruchtbares Sediment).

Die Fundstelle am Haselrain zeigt anschaulich, welche Auswirkungen menschliche Tätigkeiten auf die Umwelt hatten. Um Ackerflächen und Weiden zu erhalten, begannen die Menschen hier während der Bronzezeit den Wald grossflächig zu roden. Das führte zu einer massiven Erosion der Lösshänge. In der Folge wurden die Überreste der aufgegebenen, bronzezeitlichen Siedlung im Laufe der Jahrhunderte mit einer 1.40 Meter mächtigen Lössschwemmschicht überdeckt und haben sich darum besonders gut erhalten.

Resultate der Ausgrabung:

Bereits zu Beginn der Grabung wurden die ersten Schichten mit bronzezeitlichen Keramikscherben freigelegt. Immer wieder waren dabei kleine Gruben in der Erde zu erkennen. Darin standen einst hölzerne Pfosten, die von Wohngebäuden oder Wirtschaftsbauten stammen. Die Pfosten sind nicht mehr vorhanden, da sie entweder bereit in der Bronzezeit entfernt wurden oder sich in der Erde restlos ersetzt haben. Weitere Hinweise auf Gebäude liefert mitunter auch Lehm, der durch Hitzeeinwirkung verziegelt, d.h. hart gebrannt ist und von Hauswänden oder einer Herdstelle stammt.

Über die Ausdehnung dieser bronzezeitlichen Siedlung lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch wenig sagen: Es scheint, dass die Befunde im Nordwesten der Grabungsfläche (gegen den Kettenackerweg zu) ausdünnen.

Die bronzezeitlichen Schichten werden von einer bis zu 1.20 m mächtigen Lösslehmschicht überdeckt. Zu Grabungsbeginn gingen wir davon aus, dass diese Schicht durch grossflächige Waldrodungen in der Bronzezeit und eine dadurch bedingte massive Erosion der Lösshänge entstanden ist. Überraschenderweise fanden sich nun aber zuunterst in dieser Schicht auch Ziegel und Eisenobjekte aus römischer Zeit. Dies legt aktuell nahe, dass die Ablagerung des Lösses erst deutlich später stattgefunden hat.

Spannend sind die dabei neu entdeckten römischen Fundstücke, die von einer bisher unbekannten römischen Villa in der Nähe stammen könnten. Römische Villen wurden meist in sanfter Hanglage erbaut. Aus Riehen kennt man bisher drei Villen: eine beim Hörnlifriedhof, eine im Hinterengeli und eine beim Artelweg. Zudem gab es noch einen Tempel beim Pfaffenloh und vermutlich auch auf dem Maienbühl.

Wie lange graben wir?

Die Ausgrabung dauert voraussichtlich bis Herbst 2020.

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Basel, 1300 v. Chr.
Ein Dorf aus der Bronzezeit
Blick auf die aktuelle Ausgrabung. Bis zur Entdeckung der bronzezeitlichen Siedlung im Jahr 2018 waren aus dem Gemeindegebiet von Riehen aus dieser Epoche neben wenigen Einzelfunden von Keramikscherben lediglich zwei Grabhügel mit Bestattungen im Britzigerwald sowie ein Depot mit einem rituell verbogenen Schwert bei der Burgstrasse bekannt. Foto: Adrian Jost.

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Blick auf die aktuelle Ausgrabung. Bronzezeitliche Häuser waren aus Holz
und Lehm gebaut. Diese Bauweise macht es schwierig, solche bronzezeitlichen
Siedlungen überhaupt aufzufinden. Einzig schwache Verfärbungen
im Boden zeigen mögliche Standorte von Hauspfosten und -wänden an. Ob es
sich tatsächlich um Bebauungsspuren handelt, zeigt sich oft erst beim Ausgraben
der Schichten. Da die Spuren beim Austrocknen des Bodens verblassen,
werden sie mittels Kalkspray markiert. Foto: Adrian Jost.

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Basel, 1300 v. Chr.
Scherben datieren die Siedlung
Am Haselrain wurden 2018 zahlreiche Funde geborgen: Hunderte von Gefässfragmenten, wenige Steinwerkzeuge und ein kleines Bronzeobjekt. Anhand dieser Funde kann die Siedlung in die Übergangszeit von der Mittel- zur Spätbronzezeit (ca. 1300 v. Chr.) datiert werden. Foto: Philippe Saurbeck.

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Basel, 1300 v. Chr.
Eine Grube voller Scherben
In einer runden Eintiefung lagen mehrere Schichten aus stark verbrannten Keramikscherben. Darunter befinden sich sowohl Fragmente von grossen, dickwandigen Gefässen als auch dünnwandige Keramikscherbenmit feinen Rillenverzierungen. Foto: Philippe Saurbeck.

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Die Funde vom Haselrain werden zurzeit gereinigt, inventarisiert und konserviert. Foto: Philippe Saurbeck.