Gräber, Mauern und Gewerbe: Kleinbasel vom Frühmittelalter bis zur Neuzeit

Die Archäologische Bodenforschung begleitet seit April 2021 die Bauarbeiten für das Fernwärmenetz in den Quartieren rund um den Wettsteinplatz.
Stand Juni 2022

Warum graben wir?

Der Anschluss des Wettsteinquartiers ans Fernwärmenetzbedingt umfangreiche Bodeneingriffe, die durch die Archäologische Bodenforschung begleitet werden.

Was erwarten wir?

Im Gebiet des Wettsteinquartiers und der näheren Umgebung gibt es bereits viele verschiedene Fundstellen. Neben Befunden der mittelalterlichen und neuzeitlichen Bebauung, gibt es u.a. Mauerreste eines römischen Munimentums, d.h. einer Festung zur Sicherung der Rheingrenze aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. Spätbronzezeitliche Keramik aus der Zeit zwischen 1000-850 v. Chr. als älteste Funde sowie spätantike und frühmittelalterliche Gräber geben Hinweise auf eine weit zurückreichende und spannende Besiedlungsgeschichte des Kleinbasler Quartiers.

Frühmittelalterliche Gräber mit Beigaben

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Ein Kindergrab

Das Grab eines 5- bis 9-jährigen Kindes wurde als ganzer Block geborgen, damit es möglichst sorgfältig freigelegt werden kann.

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Das Kindergrab weist reiche Beigaben auf. So trug es z. B. eine mehrteilige Gürtelgarnitur mit Ösenbeschlägen aus Bronze. Vom Gürtel haben sich Lederreste erhalten.

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Beim rechten Arm befanden sich ein Knochenkamm und weitere Gegenstände, wie z.B. eine Schere aus Eisen. Aufgrund der Beigaben dürfte das Grab aus dem 7. Jahrhundert stammen.

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Computertomographie der Schere. Die Schere war in einer Tasche mit ins Grab gegeben worden.

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Die Textilstruktur der Tasche ist auf der Computertomographie erkennbar. Vermutlich haben wir hier eine Art Necessaire mit Kamm und Schere für die Haarpflege eines Kindes vor 1400 Jahren entdeckt.

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Ein Mädchengrab

In einem frühmittelalterlichen Grab eines ca. 12 Jahre alten Mädchens, wurden ca. 350 Perlen vorwiegend aus Glas, aber auch aus Bernstein und Perlmutt gefunden.

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Blick auf einen Teil des Mädchenskeletts, das als ganzer Block geborgen wurde.

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Dank der Beigaben, u.a. der hier abgebildeten Perle, lässt sich das Mädchengrab ins 6. Jahrhundert datieren.

Erste Resultate der Ausgrabung

Bei den bisherigen Untersuchungen kamen mehrere Gräber aus dem Frühmittelalter zum Vorschein. Herausragend ist dabei das Grab eines jugendlichen Mädchens, das reich mit Beigaben ausgestattet war. Das Grab wurde als ganzer Block geborgen, um alle Objekte – darunter ca. 350 Perlen vorwiegend aus Glas, aber auch aus Bernstein und Perlmutt, von einer oder mehreren Ketten, eine Gürtelschnalle und Reste eines Täschchens – möglichst sorgfältig freizulegen und im Detail zu dokumentieren. Erst kürzlich wurde ein weiteres Grab als Block geborgen, welches das Skelett eines ca. 5- bis 9-jährigen Kindes enthielt.

Das Team der Archäologischen Bodenforschung dokumentierte an der Riehentorstrasse und an der Kirchgasse zudem Gräber, die mit Steinplatten umfasst waren. Solche Steinkistengräber kommen ab dem 7. Jahrhundert vor und enthalten meist keine Beigaben. In einer dieser Steinkisten lag das Skelett eines Mannes, der einen Schwerthieb ins Gesicht überlebt hatte. Näheres dazu erfahren Sie weiter unten im YouTube-Video.

Darüberhinaus kamen neben (hoch)mittelalterlichen bis frühneuzeitlichen Planien und Strassenbefunden, Teile des «Riehendyychs» zu Tage. Dieser mittelalterliche Kanal belieferte ressourcenintensive Gewerbe wie die Gerber und Färber mit Wasser aus der Wiese, er trieb aber auch bis zu 26 verschiedene Mühlen an. Aufgedeckt wurden auch Überreste einer sogenannten Lohstampfe, in der aus Fichten- und Eichenrinde Lohe, d.h. Gerbmittel, gewonnen wurde. Aus den am Riehenteich ansässigen Färbereibetrieben entstand unter anderem die heutige Pharmaindustrie, die vor Ort im Boden ebenfalls (chemische) Spuren hinterlassen hat. Gegenüber der Lohstampfe befand sich die Stadtsäge, welche 1312 als Mühle und seit 1422 als Säge belegt ist. Auch diese konnte archäologisch gefasst werden. Im Bereich Claragraben, Riehen- und Riehentorstrasse wurden Fundamente des 1864 abgerissenen Riehentors und dessen Vorbau freigelegt, die Teil der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung waren. Zum Vorschein kamen auch grosse Sandsteinquader und –platten, die zu einem Kanal gehören, der vom Riehenteich durchs Tor in die Stadt führte und die Bevölkerung Kleinbasels mit Wasser versorgte.

Frühmittelalterliche Steinplattengräber

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Das Skeletts eines Mannes in einem frühmittelalterlichen Steinkistengrab, das im Juni 2022 zum Vorschein kam, wird sorgfältig freigelegt.

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Dieses Skelett war äusserst gut erhalten, weist aber massive Verletzungen auf. Unter anderem hat der Mann einen Schwerthieb ins Gesicht überlebt (siehe YouTube-Video weiter unten).

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Freilegen einer weiteren Bestattung eines Mannes in einer Steinkiste. Solche Gräber, die mit Steinplatten umfasst waren, kommen ab dem 7. Jahrhundert vor.

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Das frühmittelalterliche Grab war durch frühere Leitungsbauten gestört. Der kräftige Mann war ohne Beigaben beigesetzt worden.

Das Grab eines Schwertkämpfers?

Die Instagram Live-Führung vom 7. Juli 2022 berichtet über das Skelett eines frühmittelalterlichen Mannes, das in der Kirchgasse in Kleinbasel entdeckt wurde. Das Skelett zeugt von massiven Verletzungen, u. a. überlebte der Mann einen Schwerthieb ins Gesicht.

Wie lange graben wir?

Die Ausgrabungen und baubegleitenden Untersuchungen dauern voraussichtlich bis im Herbst 2022.

Die jüngeren Befunde

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Spuren der Basler Chemie

Aus den am Riehenteich ansässigen Färbern ging die Basler Chemie hervor, welche auch ihre Spuren im Boden hinterliessen. Im Bild sieht man Glasstäbe von einem Rührwerk.

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Ausschnitt aus dem Merianplan von 1615

Auf dem Merianplan von 1615 lassen sich einige der archäologisch nachgewiesenen Gebäude (wie der Stadtsäge oder dem Riehentor) finden.

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Ein mittelalterlicher Sodbrunnen

In der Kirchgasse wurde zudem ein mittelalterlicher Sodbrunnen freigelegt.

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Er enthielt Tierknochen und hochmittelalterliche Funde, u.a. Keramik.

Medienmitteilung zur Ausgrabung

Medienmitteilung vom 24. März 2022 zu den frühmittelalterlichen Gräbern

Medienmitteilung vom 16. Juni 2022 zu den Werkleitungsgrabungen in der Stadt

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