Über die Toten zu den Lebenden

Die Bewohner der keltischen Siedlung von Basel-Gasfabrik im St. Johann bestatteten ihre Toten in zwei Gräberfeldern und auch – aus heutiger Sicht eher befremdlich – in Gruben innerhalb der Siedlung. Zudem werden in der Siedlung viele menschliche Einzelknochen gefunden. Immer wieder weisen solche Knochen deutliche Spuren von Manipulationen auf. All dies deutet auf ein komplexes Totenritual in spätkeltischer Zeit hin, das heutige Tabugrenzen sprengt.

Ein breit angelegtes Forschungsprojekt beschäftigt sich deshalb seit 2011 mit den menschlichen Überresten vom spätkeltischen Fundplatz Basel-Gasfabrik (150–80 v. Chr.). Mittels intensiver interdisziplinärer Zusammenarbeit von Archäologie, Anthropologie, Archäozoologie, Archäobotanik, Geoarchäologie, Biogeochemie und Molekulargenetik sollen möglichst ganzheitliche kulturgeschichtliche Deutungen für den komplexen Umgang mit Toten in der Spätlatènezeit erarbeitet werden.

  • Nur durch eine interdisziplinäre Herangehensweise können verschiedene Fragen beantwortet werden, so z.B.:
  • Welche Bestattungsformen gab es in der spätkeltischen Zeit?
  • Wem wurde nach dem Ableben welche Behandlung zuteil?
  • Wurden die sterblichen Überreste in der Siedlung einfach entsorgt oder sind sie das Resultat eines mehrstufigen Bestattungsrituals?
  • Reflektieren die unterschiedlichen Praktiken im Umgang mit den Toten soziale Hierarchien?

Die Untersuchungen liefern aber auch Hinweise zu Ernährungsgewohnheiten, zur geographischen Herkunft bzw. Mobilität sowie zur genetischen Identität der einstigen Bevölkerung.

Das Projekt unter Beteiligung der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt, der Institute für Prähistorische und Naturwissenschaftliche Archäologie sowie der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie der Universität Basel, des Institutes für Anthropologie der Universität Mainz und des Institutes für Medizinische Biometrie und Informatik der Universität Freiburg i. Br. wird vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF), der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft Basel (FAG) und der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt finanziert.

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