Basels Kultur(ge)schichten

Links vom Grabungszelt liegt der Schürhof, rechts der Rollerhof. Zoom

Links vom Grabungszelt liegt der Schürhof, rechts der Rollerhof.

Arme und Beine liegen eng am Körper, was darauf hindeutet, dass dieses Kind wohl in einem Tuch (anstelle eines Sarges) bestattet wurde. Zoom

Arme und Beine liegen eng am Körper, was darauf hindeutet, dass dieses Kind wohl in einem Tuch (anstelle eines Sarges) bestattet wurde.

Impression von den Grabungsarbeiten. Zoom

Impression von den Grabungsarbeiten.

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Reges Interesse an öffentlichen Führungen.

Wo graben wir?

Die Ausgrabung findet auf dem Münsterplatz vor der Liegenschaft Münsterplatz 20 (Rollerhof) statt.

Warum graben wir?

Am Münsterplatz 20 werden die IWB (Industrielle Werke Basel-Stadt) in Kürze eine Transformatorenstation bauen. Diese Trafostation ist für die Stromversorgung auf dem Münsterhügel bei Anlässen wie der Herbstmesse oder dem Open-Air-Kino unerlässlich. Durch die Baumassnahmen sind ausserordentlich gut erhaltene Kulturschichten in einem archäologisch noch kaum erforschten Bereich bedroht. Deshalb führt die Archäologische Bodenforschung eine Rettungsgrabung durch. Die fachgerechte Untersuchung und Dokumentation der Kulturschichten des seit mehr als 3000 Jahren besiedelten Basler Münsterhügels ist von grösster Bedeutung für das Verständnis der Stadtentwicklung.

Was erwarten wir?

Das Grabungsareal betrifft einen Ort, der von der spätkeltischen Zeit bis heute im Siedlungsgebiet liegt.

Bisherige Resultate der Ausgrabung:

  • Die aktuelle Ausgrabung liefert denn auch neue Erkenntnisse zu diesen Zeitabschnitten.
  • In den unteren Schichten fanden wir Gruben, Pfostenlöcher und drei Balkengräben, welche in die spätkeltische bzw. frührömische Zeit (ca. 70/50 v. Chr. bis 1. Jahrhundert n. Chr.) gehören. Die drei Gräben liegen fast parallel zueinander. Zudem laufen sie rechtwinklig auf die Strasse zu, die seit spätkeltischer Zeit ungefähr an der gleichen Stelle wie die heutige Ritter- und Augustinergasse über den Münsterhügel führte. Es könnte sich bei diesen drei Gräben sehr gut um Reste von Häusern handeln.
  • Weitere Gruben stammen aus der spätrömischen Zeit (ca. 270–400 n. Chr.). In einer dieser Gruben kam ein Ziegel mit einem Fabrikstempel zum Vorschein. Amasonius, der auf diesem Stempel genannt ist, war ein Privatmann und betrieb in unserer Region eine Ziegelei.
  • Lange Zeit war nicht sicher, ob wir den Friedhofsbereich vor der St. Johannes-Kirche fassen würden. Wir können nun sagen, dass der grösste Teil der Grabungsfläche ausserhalb dieses mittelalterlichen Friedhofsgeländes liegt. Nur ganz am Rand unserer Grabung, in Richtung Münsterplatz, fand sich bis jetzt das Grab eines etwa sechsjährigen Kindes. Es dürfte im äussersten Bereich des Friedhofes bestattet worden sein.
  • Ausserdem wurden verschiedene hochmittelalterliche Nutzungsniveaus entdeckt. Einerseits handelt es sich um den Lehmboden eines Gebäudes, dessen Grösse wir noch nicht kennen. Andererseits fanden wir eine massive Kies- und Geröllschicht, die wohl zur Trockenlegung des sehr feuchten Areals diente. Noch heute macht uns der feuchte Boden bei der Ausgrabung zu schaffen.
  • Auf dem Münsterhügel, in unmittelbarer Nähe des bischöflichen Sitzes, muss im Mittelalter mit frühen Steinbauten gerechnet werden. Bis anhin kam davon jedoch noch nicht viel zum Vorschein. Immerhin können Teile der Westmauer des Rollerhofs wahrscheinlich ins 12. Jahrhundert datiert werden. Im hintersten Bereich unserer Ausgrabung wurde nun die Ecke dieser Mauer freigelegt. Ausserdem wurde an der Ostmauer des Schürhofes (heute Ethnologisches Seminar) eine Baufuge nachgewiesen. Diese trennt einen älteren Kernbau von einem jüngeren Anbau. Wie diese einzelnen Bauphasen aber genau zu datieren sind, ist bis jetzt nicht geklärt.
  • Im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit wurden im Grabungsareal mehrere Holzteuchel-Leitungen verlegt, die zur Wasserversorgung auf dem Münsterhügel dienten. Die Leitungen liefen direkt durch die Tordurchfahrt in den Innenhof des Rollerhofs und versorgten dort einen Brunnen mit Frischwasser.

Wie lange graben wir?

Die Ausgrabung hat am 27. September 04 begonnen und wird bis Mitte Dezember 04 dauern.

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Hinweise

Publikumstage:

  • Interessierte Personen können bis Weihnachten (Mo–Fr) zwischen 13.00–14.00 Uhr die Grabungsarbeiten live verfolgen und Fragen stellen.
  • Wir bieten für Basler Schulen auf Anfrage Führungen zur Grabung und zum Basler Münsterhügel an. Bitte setzen Sie sich mit uns in Verbindung (Tel. +41 61 267 23 55).

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