Menschenschädel und Weinamphoren – Zeugnisse eines keltischen Rituals?

Die menschlichen Schädel, Weinamphorenfragmente und Tierknochenreste liegen dicht an dicht in der Grube. Die obersten drei Schädel werden anschliessend entfernt, um an die darunter liegenden Funde heranzukommen. Zoom

Die menschlichen Schädel, Weinamphorenfragmente und Tierknochenreste liegen dicht an dicht in der Grube. Die obersten drei Schädel werden anschliessend entfernt, um an die darunter liegenden Funde heranzukommen.

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Momentan lassen sich vier Schädel (A, B, C und D) sicher unterscheiden. Die genaue Anzahl kann die Anthropologin erst bestimmen, wenn die Knochen gewaschen und zusammengesetzt sind.

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Beim weiteren Abgraben wurde zusätzlich mit der Airbrush gearbeitet, die einen feinen Wassernebel erzeugt. Diese schonende Reinigungsmethode ermöglicht es, empfindliche Oberflächen wie die Schädel sorgfältig freizulegen.

Wo graben wir?

Nördlich der Dreirosenbrücke im St. Johann, grösstenteils auf dem Werksareal der Novartis AG, lag die 15 ha grosse spätkeltische Siedlung «Gasfabrik», von der noch Reste im Boden erhalten sind.

Warum graben wir?

Aufgrund der umfassenden Umgestaltung des Geländes zum «Campus des Wissens» muss die Fundstelle von nationaler Bedeutung vor den Baueingriffen archäologisch untersucht werden.

Was erwarten wir?

Momentan konzentrieren sich die Untersuchungen auf ein Areal im Zentrum der Siedlung. Dort liegen Pfostengruben als Reste von Holzbauten, Gräben und riesige Vorratsgruben ganz dicht nebeneinander und überschneiden sich sogar. In den Eintiefungen wurden Siedlungsabfälle, z.B. Keramikscherben und Tierknochen entsorgt. Manchmal findet man zudem Werkzeuge, Schmuck und Münzen. Hin und wieder trifft man aber auch auf Überraschungen!

Bisherige Resultate der Ausgrabung:

Neben riesigen Gruben mit bis zu 5 m Durchmesser und 3 m Tiefe, die als Getreidesilos dienten, haben wir in einer relativ kleinen Grube mehrere menschliche Schädel gefunden. Die Schädel lagen zwischen grossen Fragmenten von Weinamphoren und vielen Tierknochen. Nur 5 m davon entfernt wurden bereits 1999, ebenfalls in einer Grube, mehrere Schädel zwischen Amphorenbruchstücken gefunden. Der Gedanke liegt nahe, dass beide Befunde einen Zusammenhang mit dem vielfach bezeugten Schädelkult der Kelten haben. Ob die abgetrennten Köpfe Feinden oder eher verehrten Ahnen gehörten, ob es sich um ein Opfer- oder eher um ein Bestattungsritual gehandelt hat, ist derzeit kaum zu beantworten. Die Schädel wurden zusammen mit den Überresten eines üppigen Mahles, bei dem auch reichlich Wein aus Italien geflossen sein muss, in die Grube eingebracht. Vielleicht gelingt es mit Hilfe von DNA- und Isotopen-Analysen im Rahmen der Auswertung, Aussagen über den Verwandtschaftsgrad und die Herkunft der Toten zu machen.

Wie lange graben wir?

Die Untersuchungen an dieser Stelle dauern noch bis Ende Februar 2007, dann geht es an einem anderen Ort auf dem Firmengelände weiter.

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Hinweis

Die Grabungen finden auf der Baustelle des Novartis Campus statt; ein Besuch ist leider nicht möglich.

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Literatur

  • Pia Kamber, Yolanda Hecht, Norbert Spichtig u. Hannele Rissanen, Stadt der Kelten, Geschichten aus dem Untergrund. Schriften des Historischen Museums Basel 13, Basel 2002.
  • Petra Härtl, Zur besonderen Bedeutung und Behandlung des menschlichen Kopfes innerhalb der Latènekultur Mittel- und Westeuropas. Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie Bd. 122 (Bonn 2005).

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