Ein keltischer Erdofen zum Niedertemperaturgaren

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Während der Rheinhafen noch in Betrieb ist, laufen nebenan die Vorbereitungen für eine Grabung.

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Vor über 2000 Jahren könnte dieser wannenförmige Erdofen auf dem Gelände des heutigen Rheinhafens St. Johann bei festlichen Anlässen zum Garen grosser Fleischstücke gedient haben.

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Erdofen in Betrieb bei den Maori auf Neuseeland. Auf die heissen Steine werden in verschlossenen Gefässen Fleisch und Gemüse gestellt, mit einem Tuch und schliesslich mit Erde abgedeckt. Nach wenigen Stunden ist das traditionelle «Hangi» gar.

Wo graben wir?

Das Grabungsgelände liegt im Bereich des jetzigen Rheinhafens St. Johann.

Warum graben wir?

Im Rahmen des Projekts «Campus Plus» wird der Rheinhafen St. Johann rückgebaut. An seiner Stelle sollen eine Parkanlage und eine öffentliche Rheinuferpromenade entstehen. Die Baumassnahmen betreffen zentrale Teile der insgesamt ca. 15 ha grossen keltischen Siedlung Basel-Gasfabrik, die von 150-80 v. Chr. hier am Rheinufer bestanden hat. Die seit fast 100 Jahren bekannte Fundstelle von nationaler Bedeutung wird seit den 1990er Jahren im Rahmen der Projekte Nordtangente und Novartis Campus intensiv untersucht.

Was erwarten wir?

Die Rettungsgrabungen im Rheinhafen liefern die Möglichkeit, das Bild der Siedlung zu ergänzen und Grundlagen für eine Gesamtauswertung zu liefern.

Bisherige Resultate der Ausgrabung:

Bisher ausgegrabene Gruben, Gräben und Reste der Häuser geben Auskunft über die bauliche Gliederung der Siedlung. Herausragende Funde, wie Münzen, Metallobjekte, Glasschmuck und Amphoren zeugen vom Wohlstand der Bewohner und von ihren weit reichenden Handelsbeziehungen. Auch finden sich Nachweise handwerklicher Tätigkeiten, z.B. von Bronzegiesserei und Eisenschmieden.

Ein Erdofen zum Niedertemperaturgaren auf heissen Steinen?
Zu Beginn der Grabungen ist ein für die späte Keltenzeit aussergewöhnlicher Ofen zum Vorschein gekommen. Es handelt sich um eine rechteckige Wanne mit abgerundeten Ecken aus verziegeltem Lehm. Ähnliche vorgeschichtliche Befunde werden auch «polynesischer» Ofen genannt, weil sie noch heute im pazifischen Raum genutzt werden. Für einen solchen Erdofen wird eine längliche Grube gegraben und darin ein grosses Feuer gemacht, auf dem Steine erhitzt werden. Ist das Feuer heruntergebrannt, wird z.B. ein in Blätter eingewickeltes Rind, Kalb, Schwein oder Lamm zum Braten auf die Steine gelegt und mit einer weiteren Lage heisser Steine und schliesslich mit Erde abgedeckt. Das Fleisch ist nach wenigen Stunden gar und bleibt mit dieser Garmethode bei niedriger Temperatur besonders zart und saftig.

Wie lange graben wir?

Die Grabungen haben im Juni 2009 begonnen und werden mindestens bis 2011 andauern.

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Literatur

  • Unter Uns – Archäologie in Basel. Hrsg. Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt und Historisches Museum Basel, Basel 2008, 128-137; 154-169.
  • Frédéric Surmely, Les fours «polynésiens» en Auvergne (France): bilan des connaissances. In: Marie-Chantal Frère-Sautot (ed.), Le feu domestique et ses structures au Néolithique et aux Âges des métaux (Préhistoire 9) Montagnac 2003, 77-86.

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