Gräberfelder zur spätkeltischen Siedlung «Gasfabrik»

Luftbild von 2005. Beleuchtet erscheint der Bereich der keltischen Siedlung und die beiden Gräberfelder am Nordrand. Zoom

Luftbild von 2005. Beleuchtet erscheint der Bereich der keltischen Siedlung und die beiden Gräberfelder am Nordrand.

Das Grabungsgelände von Bau 210 aus gesehen, links die Hüningerstrasse. Die Gräber konzentrieren sich vor allem in der linken unteren Ecke, die mit Zelten überdacht ist. Zoom

Das Grabungsgelände von Bau 210 aus gesehen, links die Hüningerstrasse. Die Gräber konzentrieren sich vor allem in der linken unteren Ecke, die mit Zelten überdacht ist.

Der Anthropologe beim Vermessen und Herausnehmen eines Skelettes. Zoom

Der Anthropologe beim Vermessen und Herausnehmen eines Skelettes.

Die Bestattung eines jungen Mädchens in Bauchlage mit Richtung Kopf zurückgeschlagenen Unterschenkeln. Zoom

Die Bestattung eines jungen Mädchens in Bauchlage mit Richtung Kopf zurückgeschlagenen Unterschenkeln.

Wo graben wir?

Momentan wird mitten im Werk St. Johann der Novartis AG südlich der Hüningerstrasse gegraben. Im Rahmen des Projektes «Campus des Wissens» wird dort ab Frühjahr 2006 ein Neubau entstehen.

Warum graben wir?

Im Neubaugebiet wurde vor kurzem ein weiteres Gräberfeld entdeckt, das zur spätkeltischen Siedlung «Gasfabrik» gehört – vgl. Beitrag zur Siedlung «Gasfabrik» auf dieser Webpage. Es liegt ca. 250 m westlich des bereits 1917 ausgegrabenen Gräberfeldes, das über 120 Bestattungen aufwies. Aus dieser Epoche gibt es sonst kaum Gräberfelder, und noch seltener können sie in Zusammenhang mit einer zugehörigen Siedlung untersucht werden. Es bietet sich daher hier in Basel die einzigartige Möglichkeit, die Bestattungssitten in spätkeltischer Zeit mit modernsten Methoden zu erforschen.

Bisherige Resultate der Ausgrabung:

Bei den bisher angetroffenen 15 Bestattungen im neuen Gräberfeld handelt es sich um Körpergräber. Die engen und nur wenig eingetieften Grabgruben sind meist Nord-Süd ausgerichtet. Der Kopf des Toten liegt dabei in der Regel im Süden, so dass der «Blick» nach Norden weist. Vermutlich hängt diese Orientierung der Gräber mit Glaubensvorstellungen der Kelten zusammen. Über die Hälfte der Bestatteten sind Säuglinge und Kinder. Dieser ungewöhnlich hohe Anteil könnte damit zusammenhängen, dass wir uns vermutlich eher im Randbereich des Gräberfeldes befinden. Immer wieder finden sich Gegenstände bei den Toten. Es handelt sich dabei um Schmuckstücke wie Perlen und Armringe aus Glas, oder auch um Kleidungsbestandteile wie Gewandschliessen aus Metall. Daneben gibt es aber auch Beigaben wie Münzen oder Keramikgefässe, womit die Toten für ein Weiterleben im Jenseits mit Geld und Nahrungsmitteln ausgestattet wurden.
Immer wieder lassen sich verlagerte Skelettteile und unnatürliche Körperhaltungen beobachten. Ob die nachträglich an den Leichnamen vorgenommenen Manipulationen von grabenden Tieren oder von Menschenhand stammen, lässt sich nur durch genaue Beobachtung klären. Bei einem Mädchen, das in Bauchlage bestattet wurde, fanden sich Hinweise, dass Hände und Füsse der Toten auf dem Rücken zusammengebunden gewesen sein könnten. Dies könnte mit der (neuzeitlich belegten) Furcht vor Wiedergängern zusammenhängen; diesem Aberglauben zufolge sollte die Fesselung verhindern, dass der Tote sich aus dem Grab befreien und in der Welt der Lebenden umgehen könnte.
Menschliche Überreste werden aber nicht nur in den beiden Gräberfeldern gefunden. Auch mitten in der Siedlung kommen immer wieder einzelne Menschenknochen oder gar ganze Skelette in Gruben oder Gräben zum Vorschein. Welche Gründe dazu führten, dass ein Toter in der Siedlung oder auf dem Gräberfeld bestattet wurde, ob die Gräberfelder gleichzeitig oder nacheinander benutzt wurden, ob sich eine soziale Gliederung beobachten lässt, wie die Menschen gelebt haben, woran sie gestorben sind und ob die Toten untereinander verwandt waren, sind Fragestellungen, denen im Rahmen der Grabung und Auswertung zusammen mit vielen Spezialisten noch nachgegangen wird.

Wie lange graben wir?

Die Grabungen im engeren Bereich des neuen Gräberfeldes werden noch bis März 2006 andauern. Im Bereich der Siedlung werden sich in den kommenden Jahren kontinuierlich im Rahmen der Baumassnahmen weitere Rettungsgrabungen anschliessen.

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Hinweis

Die Grabung liegt innerhalb des Werkareals der Novartis. Werksmitarbeiter können sich an Arbeitstagen von 8.00-16.30 Uhr im goldenen Info-Container «Underneath the Campus» nördlich von Bau 210 generell über die Siedlung informieren und dabei von Ferne die Ausgrabungsarbeiten beobachten. Führungen für kleinere Gruppen sind nach Voranmeldung bei der Archäologischen Bodenforschung und in Abstimmung mit der Novartis AG möglich.

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